Beiträge zur Zukunft

Den „Resetknopf“ drücken

Januar 21, 2019 6:47 pm

Danke für die vielen positiven und auch emotionalen Reaktionen auf meinen Block „Häusliche Gewalt“!

Eine der vielen Fragen war, „warum müssen sich EntscheidungsträgerInnen schämen?“

Dazu noch in aller Kürze meine Ausführungen:

Tausende jugendliche und erwachsene, verletzte Menschen (Opfer) durch sexualisierte Gewalt, häusliche Gewalt und (Cyber-)Mobbing haben in den letzten Tagen und Wochen das Dauer-Thema „Gewalt“ in den Medien – Fernsehen, Radio, Zeitung, Online … – mitverfolgen können und entwickeln daraus selbstverständlich eine Erwartungshaltung „Mir wird jetzt, endlich geholfen!“.

Dann zeichnet sich – wie in den Jahren und Jahren davor – ganz rasch deutlich ab, dass die ganze Diskussion und die vorgeschlagenen Ansätze von einer kaum mehr zu überbietenden Hilflosigkeit, Oberflächlichkeit, Ignoranz und durchaus von Überheblichkeit geprägt sind.

Niemand „beschäftigt“ sich bei den vielen Diskussion und Inhalten mit den verletzten Menschen – wie bereits gesagt, vorwiegend Kinder und Frauen – bzw. mit professionellen und damit wirksamen und nachhaltigen Möglichkeiten des vorbeugenden Schutzes und der Stärkung und auch Ermutigung der tausenden Opfer!

Das heißt letztlich konkret, diese verletzten Menschen resignieren, verlieren den Mut, fühlen sich gedemütigt und beschämt und – wie ich meine – werden dadurch „sekundär viktimisiert“; d.h. sie werden als Opfer neuerlich Opfer!

Wir haben in Österreich ein Gesundheitsministerium für die Gesundheit, wir haben aber kein Ministerium für Prävention!

Die Ansätze in universeller, selektiver und indizierter Prävention – wenn überhaupt – gegen „sexualisierte Gewalt“, „häusliche Gewalt“ „(Cyber-)Mobbing und andere Formen von Gewalt, sind aufgeteilt auf die Ministerien Soziales, Inneres, Bildung, Frauen-Familie-und Jugend, Europa, Integration und Äußeres und daher weder koordiniert – und ich vermute – auch nicht evaluiert.

Dieser nicht professionelle Ansatz hat zur Folge, dass an der Seele und am Körper verletzte Menschen (Opfer) „durch den Rost fallen“; und da kann man die „Medaille“ drehen und wenden wie man will.

Die einzige Chance und Hoffnung – und dass schon die letzten 15 Jahre – für tausende von Gewalt betroffene Kinder und Frauen sehe ich im Bundeskanzler und Vizekanzler. 

Meine seit Jahren erfolglose Bitte ist: den Resetknopf drücken und mit einem neuen, zukunftsorientierten, professionellen, wirksamen und nachhaltigen Konzept durchstarten.

Häusliche Gewalt

Januar 19, 2019 5:39 pm

Reparatur statt Prävention: und damit auch keine Hilfe für tausende Kinder!

„Die Schläge, die meine Mama bekam, spürte ich in meinem Bauch von einem hin und her Zerren … das machte mich traurig, und [ich] bekam Angst. Mein Bauch hatte Angst, manchmal hatte er um meine Mama Angst, manchmal sogar hatte ich um meinen Vater Angst. Dass er nicht weiß, was er tut“.

„Manchmal habe ich mir gewünscht, dass ich nicht lebe, manchmal habe ich mir gewünscht, dass ich auf der Stelle tot sein soll.“

Aus der Studie „Kinder legen Zeugnis ab – Gewalt gegen Frauen als Trauma für Kinder“ (2001) von Philomena Strasser.

So fröhlich sollten Kinder sein; helfen wir, das zu erreichen!

Die Auswirkungen
In einem Zuhause, in dem „häusliche Gewalt“ herrscht, sind Kinder und Jugendliche einem extrem hohen Risiko ausgesetzt, traumatisiert zu werden. 

Die betroffenen Mädchen und Jungen wachsen in einem Klima auf, das geprägt ist von Zerstörung, Angst, Demütigung und Sprachlosigkeit. Der Ort, an dem sie Sicherheit und Geborgenheit erfahren sollten, wird von ihnen als bedrohlich, verletzend und schutzlos erlebt. Ihre Eltern stehen ihnen nicht (mehr) als Bezugspersonen und Beschützende zur Seite. Sie verlieren das Vertrauen und häufig auch den Respekt und die Wertschätzung gegenüber den Eltern.  

Die Kinder und Jugendlichen spüren, dass über die erlittene Gewalt nicht gesprochen werden darf und bleiben mit ihren schrecklichen Erlebnissen alleine. Sie versuchen, die Verantwortung für jüngere Geschwister zu übernehmen sowie die Mutter zu trösten und zu unterstützen. Nicht selten wird v. a. das älteste Kind zum Ersatzpartner.  

Viele Kinder suchen die Schuld für die Gewalt bei sich. Sie sind mit der belastenden Situation völlig überfordert. 

Elementare kindliche Grundbedürfnisse wie das Bedürfnis nach Zuwendung, Bindung und Schutz können nicht in ausreichendem Maß erfüllt werden, wenn „häusliche Gewalt“ ausgeübt wird. 

Doch was folgt?
Das wiederkehrende „Straferhöhungs-Ritual“

Kinder, die noch nicht Opfer sind und die tausenden Kinder, die schon Opfer sind, werden einfach, brutal und – für mich hat es des Anschein – emotionslos „übersehen“!

Das Schamgefühl ist neben Ohnmacht, Stockholm-Syndrom uvm. ein Grund, warum viele Opfer vielfach Jahrzehnte oder das ganz Leben nichts von ihrem Martyrium erzählen und keine Hilfe suchen!

Und schämen sollten sich auch all jene, denen nicht mehr einfällt, als Strafen zu erhöhen, neue Hotlines zu schaffen und – wie die vielen Jahrzehnte davor – nur über „Reparatur“ von Gewalt reden und dabei übersehen, dass sie damit Kinder und Frauen zu Opfern werden lassen. 

Bitte entschuldigen Sie meinen Sarkasmus, aber wenn ich die derzeitige Diskussion über erhöhte Strafen – die reflexartig regelmäßig als Ritual erfolgen – weiterspinne, dann wird in einigen Jahren – ich werde das zwar nicht mehr erleben – für Häusliche Gewalt bzw. Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe stehen müssen?!

Gleichzeitig erhöhen wir damit die Schwelle für Opfer, eine Anzeige zu erstatten oder sich an die Öffentlichkeit zu wenden!

Nelson Mandela hat geschrieben: 
„Wir sind es unseren Kindern, den schwächsten Bürgern einer jeden Gesellschaft, schuldig, dass sie ein Leben ohne Gewalt und Furcht leben können. Deshalb müssen wir unsere Anstrengungen nicht nur unermüdlich auf Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand richten, sondern diese Werte auch für die einzelne Gemeinschaft und für die Angehörigen derselben Familie anstreben. 

Wir müssen die Gewalt bei ihren Wurzeln packen. Nur so kann aus der erdrückenden Erblast eine warnende Lehre werden.“

Was in dieser „Haltung“ daher seit Jahrzehnten – und ich bin überzeugt, trotz besseren Wissens – fehlt, sind 

  • der vorbeugende Schutz direkt und indirekt als ZeugInnen betroffener Kinder,
  • der Schutz der „nur“ als ZeugInnen betroffenen Kinder – das sind 99 Prozent aller Kinder bei Häuslicher Gewalt – die bis zu 80 Prozent kognitive und emotionale Schädigungen bis hin zur PTBS und Traumata erleiden und
  • die wirksame und nachhaltige Möglichkeit der Prävention!

Das heißt konkret, dass diese Kinder die Opfer- und | oder Täterrolle ins Erwachsenen-Sein mitnehmen und wir es somit zulassen, dass sich Gewalt potenziert, denn diese Erfahrungen werden weiterverarbeitet und verfestigen sich in geschlechtstypischen Rollenbildern.

Mit Worten von Gro Harlem Brundtland – sie war Generaldirektorin der WHO – richte ich an alle meine Bitte um Hilfe zur Prävention von Häuslicher Gewalt und damit zum vorbeugenden Schutz von Kindern und Frauen!

„In vielen Forschungen klingt immer wieder durch, wie wichtig es ist, Gewalt von vornherein zu verhüten. Selbst geringfügige Investitionen können hier großen und anhaltenden Nutzen bringen, doch nur, wenn die politische und gesellschaftliche Akzeptanz dafür vorhanden und die Bemühungen von einer ganzen Bandbreite von Partnern im öffentlichen und privaten Zusammenhang unterstützt werden.
Die Public Health (Gesundheitsförderung) hat in den letzten Jahrzehnten bemerkenswerte Erfolge erzielt, vor allem konnten zahlreiche Kinderkrankheiten erfolgreich eingedämmt werden. 

Doch die Public Health würde versagen, wenn sie unsere Kinder vor diesen Krankheiten rettete, nur um sie später zu Gewaltopfern werden zu lassen und sie an der von lntimpartnern ausgehenden Gewalt zugrunde gehen zu sehen.“

Es ist nicht nur die Zukunft dieser Kinder und Frauen; es ist insbesondere unsere Zukunft!

Bitte helfen Sie zu stärken und zu schützen!

MfG
Günther Ebenschweiger
+43-676-4 25 4 25 4
info@ebenschweiger.at
www.aktivpraeventiv.at

Die „falsche“ Begeisterung

Januar 18, 2019 5:24 pm

Bei meinen vielen zweitägigen „Konflikttrainings“ in Österreichischen Schulen wird mir beim ersten Reflexionsgespräch sehr häufig gesagt, dass vor mir schon jemand zum Thema Mobbing gearbeitet hat und alle „begeistert“ waren.

Auf meine Nachfrage „wer“ „wovon“ begeistert war, wird mir geantwortet; den Kindern hat der Vortrag, der Workshop – von wem auch immer – gefallen; sie waren begeistert!

Von etwas begeistert zu sein, ist leider kein Parameter für Qualität, Wirksamkeit, Nachhaltigkeit oder Professionalität, sondern ein gutes Gefühl, das ich zum Beispiel auch bei einem tollen Geschenk haben werde.

Um niemanden zu beleidigen oder vor den Kopf zu stoßen erkläre ich „Begeisterung“ für meine Arbeit so:

Ein Konflikttraining bedeutet 

zwei Tage mit einer Klasse hart und wertschätzend zu arbeiten, 
mit der(m) KlassenlehrerIn davor, dazwischen und danach die präventive Arbeit und die systemische Intervention zu reflektieren, 
den PädagogInnen und den Eltern das phasenorientierte und mehrschichtige Thema (Cyber-)Mobbing zu erklären und – das wäre optimal – 
ihnen auch Handlungskonzepte für die Pädagogik und die Erziehung zu vermitteln. 

Wenn mich dann die Klassenlehrerin nach einem halben Jahr anspricht und mir mitteilt, dass alle begeistert sind, weil

  1. sich die Klassengemeinschaft ungemein verbessert hat,
  2. das an der Seele verletzte Mädchen (Opfer) von damals kaum mehr Fehlstunden aufweist,
  3. diese Schülerin wieder gute Noten schreibt,
  4. dass eine neue „Empathiefähigkeit“ spürbar ist,
  5. die Opfer-Eltern sehr zufrieden sind und
  6. sie als Klassenlehrerin mit sehr viel Wissen, Methoden- und Handlungskompetenz jetzt in der Lage ist (Cyber-)Mobbing zu verhindern,
  • dann ist das für mich eine „echte“ Begeisterung!

Daher meine große Bitte an alle SchulleiterInnen, PädagogInnen, Eltern, Elternvereine und Interessierte:

Der Einsatz für die Kinder, aber auch für die Eltern und PädagogInnen kostet Zeit und Geld.

Geben Sie sich nicht mit „falscher“ Begeisterung zufrieden, sondern investieren Sie diese Zeit und das Geld für eine professionelle, qualitätsvolle, wirksame und insbesondere nachhaltige Zukunft zum Schutze Ihrer Kinder und gegen eine entgrenzte und massive Gewalt in Form von (Cyber-)Mobbing!

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, melden Sie sich bei meinem Newsletter unter www.aktivpraeventiv.at an!

Günther Ebenschweiger
T: +43-676-4 25 4 25 4
M: info@ebenschweiger.at
W: www.aktivpraeventiv.at