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Extremismus: Religion und Politik – Handlungssicherheit statt Handlungsohnmacht

November 24, 2018 1:07 pm

Buchen Sie jetzt rasch das letzte geförderte Tages-Seminar am 17.12.2018 in Graz!
Maximal 30 TeilnehmerInnen!

Kurzinfo: Kostenbeitrag 20.- Euro/Person, max. 30 TeilnehmerInnen
Verbindliche Anmeldungen unter info@aktivpraeventiv.at

Unter dem Deckmantel religiöser oder politischer Auffassungen …
… begründen Extremisten ihre Weltanschauung außerhalb der Norm. Zwar wird zwischen politisch und religiös motivierter Gewalt unterschieden, doch die charakteristischen Gründe, warum jemand den Weg der Radikalisierung einschlägt, sind ähnlich.

Sowohl politischer als auch religiöser Extremismus haben zu Beginn grundsätzlich nichts mit Politik oder Religion zu tun, sondern sind hauptsächlich Themen des sozialen Umfelds, der Bildung, der Familie und der Gesellschaft.

Während der Radikalisierung, die sozusagen den Weg zum Extremismus ebnet, gibt es jedoch zahlreiche Möglichkeiten, Jugendlichen Ausstiegsstellen aufzuzeigen und anzubieten.

Wie?
Grundlage dafür ist ein professioneller Umgang mit ihren oft provokativen Fragen; sehr häufig stellen die Fragen eine Provokation, in den meisten Fällen aber ein Gesprächsangebot dar und ein professionelles pädagogisches bzw. erzieherisches Verhalten klärt auf.

Die Frage, die wir uns Erwachsene stellen: Wie gehen wir damit um?
Entweder schrillen gleich alle Alarmglocken und wir möchten am liebsten umgehend die Polizei verständigen… oder wir hören zu und versuchen Antworten zu geben. Tatsache ist, dass die Fragen der Jugendlichen solange bleiben, bis sie eine Antwort gefunden haben.

Bekommen Teenager keine Antwort von realen Personen, „befragen“ sie das Internet – und dort bekommen sie Antworten. Doch diese sind Großteils falsch und zumeist sogar extremistische schwarz-weiß Antworten, die nur zwischen richtig und falsch, zwischen gut und böse, zwischen Paradies/Himmel und Hölle unterscheiden. Diese einfachen und für Jugendliche leicht verständlichen Antworten, welche die Komplexität der Gesellschaft vereinfachen, klingen interessant und verlockend.

In diesem Tages-Seminar werden Handlungsoptionen vermittelt, die einen konstruktiven Umgang mit Suchbewegungen und Provokationen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen und die das tägliche praktische Arbeiten erleichtern. Weg von der Handlungsohnmacht, hin zur Handlungssicherheit!

Hier ein kleiner Vorgeschmack: ein paar Ziele (Auszug)
1. Wissensvermittlung – Islamismus | Salafismus, Links- Rechtsextremismus
2. Selbst- und Fremdwahrnehmung
3. Problematische Verhaltensweisen: Formel AAA
4. Wann wird aus Protest und Provokation Propaganda?
5. Attraktivität radikalisierender Ansprachen: Formel WWGGG
6. Signale der Anerkennung
7. Problematisch vs nicht problematisch
8. „Checkliste“

INFO:
Dieses Tages-Seminar wird vom Land Steiermark, FA 11 „Soziales, Arbeit und Integration“ gefördert! Der TeilnehmerInnen-Beitrag beträgt 20,- Euro.

ACHTUNG:
Für maximal 30 TeilnehmerInnen!

Melden Sie sich jetzt verbindlich an unter info@aktivpraeventiv.at
Ich freue mich auf Ihre Teilnahme!

Günther Ebenschweiger

Wie aus „Rot-Weiß-Rot“ (hoffentlich nicht) „Schwarz-Weiß“ wird!

November 23, 2018 9:57 pm

In meiner Arbeit vor Ort bei (Kindern) Jugendlichen und Erwachsenen wird offensichtlich, dass sich das soziale Klima stärker polarisiert hat. Vorurteile und Diskriminierung werden zunehmend salonfähig und damit scheinbar immer „normaler“ und gefährlicher.

Der vermutete Hintergrund
War es zuerst die öffentlichkeitswirksame Inszenierung der Islamisten | Dschihadisten des Kampfes, des Krieges, des Tötens, so sind heute westeuropäische Gesellschaften mit einer deutlichen Zunahme rechtsextremer und islamistischer SympathisantInnen konfrontiert. Dies geht einher mit einem starken Anstieg von Hasskriminalität beider Lager; rassistische Hasskriminalität ist geradezu zum bitteren Alltag geworden.

Rechtsextreme wie islamistische AkteurInnen agieren aber nicht in einem Vakuum. Sie versuchen, über verschiedene Mittel polarisierend auf den gesellschaftlichen Diskurs einzuwirken. Ihr Ziel ist es, Grauzonen zu eliminieren und abweichende Lebensformen durch die Unterordnung unter kollektive Zwänge auszuschließen und versuchen somit bewusst, das soziale Miteinander in unserer Gesellschaft für ihre Zwecke zu unterminieren.

Herausforderung des Staates | der Gesellschaft
Öffentliche Debatten um den Einfluss von Rechtsextremismus und Islamismus sind unweigerlich verbunden mit der Frage nach Sicherheit, Gefahrenabwehr und Gegenmaßnahmen. Allerdings blendet die reine Fixierung auf politische Gewalt die Vielfältigkeit und Alltäglichkeit rechtsextremer und islamistischer Menschenfeindlichkeit aus, die sich vom Vorurteil über die Abwertung anderer Gruppen bis zu Hassverbrechen und Terrorismus steigern kann und – meine Meinung – dann Erfolg haben wird, wenn es auf einem breiten gesellschaftlichen Fundament aufbaut!

Der Staat bzw. die Gesellschaft bleiben indirekt oder implizit Adressat des Handelns beider Spektren. Sowohl rechtsextreme als auch islamistische Gruppen versuchen, durch ihr öffentlichkeitswirksames Auftreten staatliche und | oder gesellschaftliche Reaktionen zu provozieren und so eine Legitimität für ihr Handeln zu erlangen.

Ein Unglück kommt selten allein.
So sagt es der Volksmund. Und tatsächlich scheint es mit Blick auf menschenverachtende Einstellungen und Handlungen so, dass sich reaktionäre Weltanschauungen verstärken, je mehr sie sich durch eine vermeintliche Gegenbewegung bestätigt fühlen.

Dieses Phänomen offenbart sich seit der zunehmenden Aufmerksamkeit für islamistische Gewalttaten in Europa am Wechselspiel zwischen Rechtsextremismus und radikalem Islamismus. Die Energien des jeweiligen „Partners“ übertragen sich auf die Handlungen des anderen und diese menschenfeindliche Entwicklung hat eine neue Dynamik angenommen, die ihre demokratischen und menschenrechtsbasierten Fundamente einer harten Probe unterzieht.

Die Spirale durchbrechen
Es ist zu befürchten, dass islamistische sowie rechtsextreme Einstellungen und Handlungen weiter an Virulenz gewinnen werden.

Je mehr Fragen um nationale Sicherheit, Identität oder „Leitkultur“ sowie die damit verbundene – tatsächliche oder zumindest wahrgenommene – Ausgrenzung im Fokus des öffentlichen Diskurses stehen, desto stärker können Identitätskonflikte von islamistischen und rechtsextremen Akteuren für ihre eigenen Zwecke verschärft werden.

Wir haben es somit mit einem Phänomen zu tun, das den Zustand der Gesellschaft massiv beeinflusst, da bewusst Misstrauen gegen Minderheiten geschaffen wird, was Wasser auf die Mühlen der Extremisten ist und gewaltig an den Grundfesten einer offenen Gesellschaft rüttelt.

Es muss somit darum gehen, eine Sensibilisierung für das strategische Vorgehen beider Seiten zu entwickeln, um reflektiert intervenieren zu können.

Verstehen wir also Islamismus und Rechtsextremismus als zwei Seiten von Menschen- und Demokratiefeindlichkeit, muss eine Interventions- und Präventionspraxis beide Phänomene relational in Bezug nehmen und den Kreislauf einer Verstetigung geschlossener Weltbilder durchbrechen, denn trotz der unterschiedlichen Zielsetzungen treffen sich Islamisten und Rechtsextreme letztlich am gleichen Punkt: Der Unterminierung einer offenen, vielfältigen Gesellschaft!

Zumeist haben wir es mit Scheingefechten zu tun
 „Wir befinden uns im Krieg. Ein Krieg, der gegen uns geführt wird.“ Diese Aussagen finden wir bei Extremisten beider Seiten. In der rechtsextremen und islamistischen Propaganda ist es stets 5 vor 12: Die ständige Aufrechterhaltung eines Bedrohungsszenarios wird als Gefahr konstruiert, um mehr Gehör in der Öffentlichkeit zu finden.

Während Islamisten demokratische Strukturen und Denkweisen als eine „falsche Religion“ ablehnen, die unvereinbar mit dem Glaubensbekenntnis zu Allah ist, diskreditieren Rechtsextreme demokratisches Denken als Symptom des Niedergangs von Volk und Nation.

Dieser menschenfeindliche Ansatz wird letztlich zulasten der demokratischen Gesellschaft ausgetragen!

 

Präventionsansätze

Das heißt, Präventionsansätze müssen alle Jugendliche und jungen Erwachsenen – und nicht nur entweder politisch rechts, links | oder religiös – erreichen!

Ursachen von Radikalisierungen sind vielfältig, daher müssen Präventionsansätze auf verschiedenen Ebenen ansetzen und unterschiedliche Handlungsfelder zusammenbringen!

Nachhaltige Prävention und Intervention müssen diese Ebenen abbilden und Präventionsprojekte müssen Vernetzung mitdenken!

Präventionsarbeit ist politisch – und muss gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar machen!

Die Gesellschaft ist die Zielgruppe von Präventionsarbeit, um nicht von „Rot-Weiß-Rot“ ins „Schwarz-Weiß“ zu kippen!

 

Günther Ebenschweiger

(siehe auch „Wissen schafft Demokratie“ 03-2018)

Wenn Opfer verhöhnt werden

November 8, 2018 6:48 pm

 

Das sechsjährige Mädchen aus Südengland ist aktuell ein Mobbing-Opfer von tausenden Mobbing-Opfern in Europa. Wie üblich gibt es nach solchen Medienberichten sofort Wortmeldungen von einzelnen, aber auch von Organisationen, die medial darauf hinweisen, viel für solche Opfer in Schulen zu tun oder Ansprechpartner zu sein.

Und Medien „unterstützen“ diese Form der Öffentlichkeitsarbeit | Werbung und lösen damit möglicherweise unbewusst „Trigger“ aus oder die Texte, Bilder, Worte … führen zu einer „Sekundärviktimisierung“ der Opfer.

Kurz:
Trigger bedeutet, Opfer erleben durch Text, Bild, Sprache … emotional die Tat so, als wäre diese mit dem damit verbundenen Stress real und Sekundärviktimisierung meint, ein Mobbing-Opfer wird durch die Erkenntnis, dass ihr | ihm, obwohl angekündigt, wieder niemand hilft, erneut zum Opfer.

Das ist eine „Verhöhnung der Opfer“, weil es in Österreich tatsächlich kaum professionelle, wirksame, nachhaltige und vernetzte Angebote gibt und – wenn man sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzt – vor der Schule, auf die Verantwortung der Eltern aufmerksam machen muss.

Es stellen sich die einfachen Fragen, „Warum kommt es immer öfter zu Mobbing?“, „Warum bemerken Eltern davon nichts?“ und „Warum erzählen Kinder ihren Eltern davon nichts?“.

Die Gründe sind sicherlich vielfältig und kurz zusammengefasst doch eindeutig:
Die deutsche Achtsamkeitsstudie aus 2017 zeigt auf, dass sich jedes dritte Kind unbeachtet fühlt und das mit gravierenden Folgen; Kinder und Jugendliche weisen Defizite in ihrem Selbstbewusstsein, im Vertrauen, ihrer Lebenszufriedenheit und Empathiefähigkeit auf – das Gefühl der Geborgenheit geht verloren und die Kinder bleiben mit ihren Ängsten allein.

Es kommt daher

mittlerweile sehr oft zu Mobbing – aus meiner eigenen Erfahrung ab der 3. und | oder 4. Volksschulklasse – , weil Kinder diese fehlenden menschlichen Grundbedürfnisse wie Liebe, Anerkennung, Wertschätzung, Lob, Bindung immer weniger zuhause erfahren und sich als MobberIn in der Klasse (Peergroup) „(zurück-)holen“;

bei MobberInnen und Mobbingopfern auch immer weniger Vertrauen zu den Eltern besteht;

dadurch die Mobbing-Opfer nicht mit den Eltern darüber reden, sondern oft jahrelang schweigen und

Eltern aus diesen Gründen auch nichts bemerken.

Mobbing ist ein phasenorientiertes Gewalt-Phänomen, das durch nichts zu rechtfertigen, durch nichts zu tolerieren und durch nichts zu akzeptieren ist und hat grundsätzlich nichts mit der „Schule“, sondern mit Klassen im Sinne von „Zwangskontext“ zu tun.

Und – das werde ich auch immer gefragt – es hat mit „Machtungleichgewicht“ in den Klassen zu tun, wobei die Klasse als „Peergroup“ eine zentrale Rolle spielt. Ein Machtungleichgewicht entwickelt sich dann, wenn eine Schülerin, ein Schüler, sich nicht gegen die vielen – vorerst meist „kleinen“ und folgenden brutalen Menschenrechtsverletzungen, aus welchen Gründen immer – verteidigen kann; und daher kann es alle treffen!

Um (Cyber)Mobbing als massive Gewaltform zu reduzieren, müsste auf mehreren Ebenen in der Prävention und Intervention angesetzt werden: Eltern, PädagogInnen und Kinder | Jugendliche. Ohne zusätzliche systemische Intervention zur Prävention ist ab der 3. Klasse Volksschule praktisch jeder Einsatz eine „Verhöhnung der Opfer“, weil damit Mobbing-Opfer praktisch nicht identifiziert werden können.

Meine abschließende Bitte richtet sich an die Medien, nicht mitverantwortlich zu werden, bei tausenden Opfern – auch bei sexualisierter Gewalt, häuslicher Gewalt, Mobbing … – mögliche Trigger und | oder Sekundärviktimisierung zu erzeugen, sondern auch zu hinterfragen, ob Organisationen tatsächlich das Rüstzeug, wie zum Beispiel die erforderlichen Ausbildungen dazu haben und auch zeitliche und finanzielle Ressourcen dafür einsetzen oder eben nur die Gunst der Stunde eines Opfers für sich als „Werbung“ nutzen!

Wer sich zu diesem Thema tatsächlich für Antworten und eine unmittelbare und wirksame Unterstützung der Opfer interessiert, hat noch die Möglichkeit, sich für den 7. Österreichischen Präventionskongress am 12. und 13.11.2018 in Graz anzumelden und Franz Hilt an beiden Tagen zu erleben!

Günther Ebenschweiger

www.praeventionskongress.at